5 Fragen …an die DGfPI aus Düsseldorf

Jede Woche ein neues Porträt – das ist das Prinzip unserer Interview-Reihe „5 Fragen an…“. Lernen Sie die von Aktion Hilfe für Kinder langfristig geförderten Projekte besser kennen und erfahren Sie, wie vielfältig die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist. Wir erzählen, wofür die einzelnen Einrichtungen die monatliche Spende von Aktion Hilfe für Kinder verwenden. Viele tolle Angebote für Kinder und Jugendliche werden so erst möglich!

Heute stellen wir unsere fünf Fragen an die DGfPI – die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V.:

 

In welchem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe engagiert ihr euch?

 

(c) DGfPI

(c) DGfPI

Forum für Kinderschutz
Die DGfPI bietet ein Forum für Angehörige aller Berufsgruppen, die in ihrer alltäglichen Arbeit mit den verschiedenen Formen von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung Verantwortung tragen und mit den Betroffenen sowie deren Familien arbeiten. Dazu zählen Fachkräfte aus allen Bereichen der Sozialarbeit, Pädagogik, Polizei, Justiz, Gerichts- und Bewährungshilfe, Medizin, Therapie und Beratung sowie aus Lehre und Wissenschaft.

Fort- und Weiterbildung
Ein Fokus unserer Arbeit liegt auf der Fort- und Weiterbildung von Fachkräften, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Unter anderem bietet die DGfPI eine ursprünglich (2009 – 2012) vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend geförderte „Modularisierte Fortbildung Opfergerechte Täterarbeit“ an, in deren Rahmen TherapeutInnen für Opfergerechte Täterarbeit (Laufzeit 3 Jahre)  ausgebildet werden.

Kind hinter BaumBeratung von Einrichtungen und Organisationen
Wir beraten unterschiedliche Organisationen und Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe bei der (Weiter-) Entwicklung und Implementierung von Schutzkonzepten, um gewaltbegünstigende Faktoren in den Einrichtungen abzubauen und somit Kinder besser vor Gewalt zu schützen.

Vernetzung
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in der Vernetzung von Fachkräften und Institutionen, so konnte über die Jahre ein multiprofessionelles Hilfenetzwerk entstehen.

Gemeinsam stark für den Kinderschutz
Gesamtgesellschaftlich setzen wir uns in Gremien, mit Fachartikeln (auch im Rahmen unserer Interdisziplinären Fachzeitschrift „Kindesmisshandlung und –vernachlässigung“) und Stellungnahmen gegen jegliche Formen von Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen ein und wirken daran mit, ein (fach-)öffentliches Problembewusstsein für die Bedarfe der Kinder und Jugendlichen zu schaffen.

Ein Themenschwerpunkt: Sexualisierte Gewalt
Das Thema sexualisierte Gewalt ist ein Themenschwerpunkt der DGfPI, die sich 2009 als Zusammenschluss der DGgKV (Deutsche Gesellschaft gegen Kindesmisshandlung und  –vernachlässigung) und des Bundesvereins zur Prävention von sexueller Gewalt gegen Mädchen und Jungen gegründet hat. Sowohl Fachberatungsstellen, die mit von sexualisierter Gewalt betroffenen Kindern und Jugendlichen arbeiten, als auch die Fachstellen, die mit sexuell übergriffigen Kindern und Jugendlichen arbeiten, werden von der DGfPI vertreten Es werden Fachtagungen zu diesen Themen angeboten und die DGfPI setzt sich in Gremien, Runden Tischen und überregionalen Vernetzungen für die Bedarfe der betroffenen Kinder und Jugendlichen ein. Vernetzungen und Fachtage für diese Zielgruppen werden durchgeführt, Standards für Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt werden erarbeitet und herausgegeben. Auch andere Materialien (Medienflyer, Elternratgeber in verschiedenen Sprachen) wurden erarbeitet und werden verteilt.

Medizinischer Kinderschutz
Die DGfPI führt in Kooperation mit der AG KiM alle 2 Jahre, unter Leitung des Vorstandsmitglieds Dr. Bernd Herrmann, die Kasseler Tagung durch, in deren Rahmen in den letzten Jahren über 1000 Ärzte, Pflegende, MitarbeiterInnen in Kinderschutzgruppen und andere medizinische und nichtmedizinische Fachleute die Grundlagen somatischer (körperlicher) und klinisch-diagnostischer Aspekte bei Kindeswohlgefährdungen und die notwendigen Konsequenzen in Klinik und Praxis erlernt haben.

 

Was macht eure Arbeit so besonders?

 

Beratungsstelle

(c) DGfPI

Zum einen unsere Multiprofessionalität: Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen und Professionen fördert den Fachaustausch untereinander und führt die verschiedenen Ansätze, Denkweisen und Methoden im Bereich Prävention und Intervention zusammen. Dies spiegelt sich beispielsweise auch in unserem 10-köpfigen Vorstand wieder, in dem JuristInnen, PädagogInnen, TheaterpädagogInnen, PsychologInnen, MedizinerInnen und SozialwissenschaftlerInnen aus häufig praktischen Kontexten zusammen arbeiten.

Zum anderen finden wir das Engagement unserer Mitglieder besonders toll: Die DGfPI ist ein Verein unter dessen Dach sich viele Träger und Einrichtungen versammelt haben. Alle sind bereit, sich aktiv an Prozessen und anfallenden Arbeiten zu beteiligen und ihr Know-How einzubringen. Die DGfPI dankt allen Mitgliedern, deren Engagement die DGfPI zu dem hat werden lassen, was sie heute, in ihrer gesamten, auch gesellschaftspolitischen Bedeutung darstellt.

 

Wofür setzt ihr die monatliche Unterstützung von Aktion Hilfe für Kinder ein?

 

Um unseren vielfältigen Aufgaben nachzukommen, bedarf es einer gut aufgestellten und arbeitsfähigen Geschäftsstelle. Ein Großteil der bereitgestellten Mittel wird für die Personalkosten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Geschäftsstelle eingesetzt. Der Vorstand und die Geschäftsführung setzen sich im Rahmen von zahlreichen Kongressen, Fachtagungen, Arbeitsgruppen, Gremien und Vorstandssitzungen für die Ziele des Kinderschutzes ein. Der gesamte Vorstand der DGfPI arbeitet ehrenamtlich und mit großem Engagement, um aktiv für die Verbesserung des Kinderschutzes einzutreten. Ohne die Mittel von Aktion Hilfe für Kinder könnten zahlreiche dieser Dienst- und ehrenamtlichen Reisen nicht durchgeführt werden.

 

Was sind eure Zukunftspläne? Welche größeren Projekte stehen an?

 

1.) Bundesweites Modellprojekt zum Schutz von Mädchen und Jugen mit Behinderung: In diesem Jahr ist das vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Bundesweite Modellprojekt zum Schutz von Mädchen und Jungen mit Behinderung vor sexualisierter Gewalt in Institutionen gestartet. Es läuft jetzt bis 2018. In dem Projekt kooperieren 10 spezialisierte Fachberatungsstellen zum Thema sexualisierte Gewalt mit Fachstellen der Behindertenhilfe in bundesweit 80 – 100 Einrichtungen, in denen Mädchen  und Jungen mit Behinderung leben und betreut werden. Drei zentrale Maßnahmen werden in diesen Einrichtungen durchgeführt:

  • Implementierung und Optimierung von Schutzkonzepten auf Grundlage der 2011 vom  Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen  in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“ veröffentlichten Leitlinien,
  • Sensibilisierung und Qualifizierung von Leitungskräften und MitarbeiterInnen dieser Einrichtungen zum Thema sexualisierte Gewalt,
  • Durchführung und Implementierung von Präventionsveranstaltungen für dort lebende Mädchen und Jungen.

 

2.) Bundesweite Fachtagung: Neben vielen „kleineren“ Fachtagungen führt die DGfPI in Kooperation mit Violetta Hannover im September 2015 eine dreitägige bundesweite Fachtagung unter dem Titel „Damit Kinderschutz gelingt! – Multiprofessionelle Ansätze und ihre Herausforderungen“ durch.

 

3.) Bundeskoordinierungsstelle der spezialisierten Fachberatungsstellen, die zum Thema sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend arbeiten: Als Dachverband, in dem bundesweit die meisten spezialisierten Fachberatungsstellen organisiert sind, bewirbt sich die DGfPI als Träger für eine Bundeskoordinierungsstelle der Fachberatungsstellen.

 

Was sagen eure MitarbeiterInnen und FortbildungsteilnehmerInnen über euch?

 

Marcel Schmidt, Absolvent der dreijährigen Fortbildung zur opfergerechten Täterarbeit:
„Sexueller Gewalt achtsam zu begegnen… dies war die Aufgabe, der ich mich vor 3 Jahren stellte. Nach einigen Jahren praktischer, pädagogischer Arbeit mit sexuell straffällig gewordenen Jugendlichen wollte ich eigene Haltungen hinterfragen, mir weitere Kompetenzen aneignen, Fachlichkeit weiter vertiefen und neue Kontakte zu Experten in diesem Spezialgebiet aufbauen. Dank der DGfPI und des FORIO durfte ich diesen Ideen drei Jahre lang folgen und sie seither umsetzen.“

Dr. Frederic Vobbe, Mitarbeiter in der Geschäftsstelle der DGfPI:
„Ich erachte die Arbeit gegen sexualisierte Gewalt als gesamtgesellschaftliche Gestaltaufgabe. Als Koordinator der Spezial- und Fachberatungsstellen im Ergänzenden Hilfesystem möchte ich mich vor allem fachpolitisch dafür einsetzen, dass in der Beratung von Menschen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, flächendeckende Qualitätsstandards umgesetzt werden.“

HändeAnna Pallas, geschäftsführender Vorstand:
„Meine Arbeit in der DGfPI zielt darauf ab, vernachlässigte und oder misshandelte Kinder stärker in das gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken, denn jedes Kind hat das Recht auf Unversehrtheit! Außerdem möchte ich durch meine Unterstützung ein bundesweites Forum für den Erfahrungsaustausch unter Fachleuten des Kinderschutzes ermöglichen, um die notwendige Prävention und Intervention voranzutreiben.“

 

Weitere Statements des Vorstands und der MitarbeiterInnen der Geschäftsstelle finden Sie hier…