…an die Beratungsstelle Anstoß aus Hannover

Jede Woche ein neues Porträt – das ist das Prinzip unserer Interview-Reihe „5 Fragen an…“. Lernen Sie die von Aktion Hilfe für Kinder langfristig geförderten Projekte besser kennen und erfahren Sie, wie vielfältig die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist. Natürlich wird auch erzählt, wofür die einzelnen Einrichtungen die monatliche Spende von Aktion Hilfe für Kinder verwenden. Viele tolle Angebote für Kinder und Jugendliche werden so erst möglich.

Heute stellen wir unsere fünf Fragen an das Team der Beratungsstelle Anstoß – gegen sexualisierte Gewalt an Jungen und männlichen Jugendlichen:

 

In welchem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe engagiert ihr euch?

Die Informations- und Beratungsstelle Anstoß des Männerbüro Hannover e.V. ist eine von wenigen geschlechtsspezifischen Fachberatungsstellen in Deutschland zum Thema sexualisierte Gewalt an Jungen und männlichen Jugendlichen. Seit dem Jahr 2000 beraten wir Jungen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, und deren Bezugspersonen. Außerdem bieten wir Workshops sowie Präventionsveranstaltungen an und unterstützen Selbsthilfegruppen.

 

Was macht eure Arbeit so besonders?

BeratungsstelleUnsere Arbeit ist schon durch die Fokussierung auf männliche Opfer von sexuellem Missbrauch besonders. Seit den Medienberichten in 2010 über Fälle von Missbrauch an verschiedenen schulischen und kirchlichen Institutionen sind die Fallzahlen in der Beratungsstelle Anstoß sprunghaft und nachhaltig um 25 % gestiegen. Inzwischen bekommen wir Anfragen aus ganz Deutschland – ein deutliches Zeichen dafür, dass das regionale Angebot an Fachberatungsstellen nicht ausreicht.

Von sexualisierter Gewalt betroffene Jungen erleben einen Widerspruch: Männliche Opfererfahrungen werden von der Gesellschaft kaum wahrgenommen. Wenn es um Gewalt geht, werden Männer meist auf die Rolle der Täter festgelegt. Dabei werden 5-10 % aller Jungen in Deutschland bis zu ihrem 18. Lebensjahr mindestens ein Mal Opfer körperlicher sexualisierter Gewalt.

Männliche Opfer haben besondere Schwierigkeiten, sich selbst zu positionieren. Viele Jungen und Männer können sich nicht vorstellen, dass das, was ihnen passiert ist, auch anderen geschieht. Sie denken, dass sie die Einzigen sind. Und sie haben Angst davor, sich selbst als Opfer zu akzeptieren. Denn das heißt auch, die damit verbundenen Gefühle von Schwäche, Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein anzunehmen.

Viele verharmlosen dann das Erlebte oder versuchen, die Erfahrung alleine zu bewältigen. Das wird ja auch häufig von ihnen erwartet: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“, Jungen sollen „stark sein“, Männer sind „das starke Geschlecht“… Betroffene trauen sich oft nicht, sich mit ihrer traumatischen Erfahrung jemandem anzuvertrauen.

Deshalb ist es so wichtig, ein niederschwelliges Beratungsangebot für Jungen und männliche Jugendliche anzubieten und das Thema öffentlich sichtbar zu machen.

 

Wofür setzt ihr die monatliche Unterstützung von Aktion Hilfe für Kinder ein?

Durch die Unterstützung von Aktion Hilfe für Kinder können seit einigen Jahren zusätzliche Erstberatungstermine angeboten werden. Das hilft betroffenen Jungen, denn wenn sexueller Missbrauch aufgedeckt wird, ist rasche Unterstützung erforderlich.

 

Was sind eure Zukunftspläne? Welche größeren Projekte stehen an?

BeratungsstelleWir wollen weiterhin Jungen eine gute und schnelle Versorgung zur Verfügung stellen, damit sie in Krisen und bei der Aufarbeitung ihrer sexuellen Missbrauchserfahrungen unterstützt werden. Das können wir nur in enger Kooperation mit anderen Einrichtungen des Hilfesystems  leisten. Wir möchten daher die Vernetzung und den Ausbau von Standards im Umgang mit sexuellem Missbrauch weiter vorantreiben und sind zurzeit dabei, gemeinsam mit unseren KooperationspartnerInnen verbindliche Strukturen im Umgang mit sexuellen Übergriffen unter Geschwistern zu erarbeiten. Darüber hinaus werden wir in diesem Jahr verstärkt in Schulen unterwegs sein und mit Präventionsveranstaltungen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte für unser Thema sensibilisieren.

 

Was sagen die Kinder über euch?

„Ich bin froh, dass ich keine Alpträume mehr habe.“
„Es tut gut, darüber zu reden.“
„Hier kann ich einfach sein, mit allem was da ist …“
„Ich bin froh, dass ich meine Geschichte nicht gleich erzählen musste …“
„Jetzt weiß ich, warum ich so oft ausgerastet bin und was mir in Zukunft helfen kann, wieder runter zu kommen.“
„Ich habe mir immer Vorwürfe gemacht, dass ich es überhaupt zugelassen habe und mich dafür geschämt.  Die Beratung hat mir geholfen zu verstehen, dass ich überhaupt gar keine Schuld haben konnte …“

Beratungsstelle

 

 

 

Hier geht es zur Internetseite der Beratungsstelle Anstoß.